Finanztest: Banken bei Anlageberatung nicht mal „gut“

Von | 16. Dezember 2009

Ein Jahr nach der Schlappe um Lehman-Zertifikate ist die Beratung der Banken noch immer so schlecht wie ihr Ruf. Das ist das Ergebnis aus 147 Beratungsgesprächen, die die Stiftung Warentest/Finanztest bei 21 Banken verdeckt durchgeführt hat. Dabei hatten die Tester angegeben, dass sie 30.000 Euro auf fünf Jahre sicher anlegen wollten und sich eine Rendite von vier Prozent wünschten.


Das Ergebnis ist eine große Blamage für die Banken: Nicht ein einziges Geldinstitut schaffte das Qualitätsurteil „Gut“. Lediglich drei der 21 getesteten Großbanken, Sparkassen und Raiffeisenbanken wurden mit „befriedigend“ beurteilt (Commerzbank, Kreissparkasse Köln und Berliner Sparkasse). Bei 16 Banken war die Anlageberatung lediglich „ausreichend“. Das Schlusslicht bildeten die Ostsächsische Sparkasse und die BW Bank mit der Note „mangelhaft“.

Kompliziert und riskant – aber provisionsträchtig

Das Ergebnis ist laut Finanztest so schlecht, weil die Banken in den meisten Fällen die elementarsten Fragen, die das Wertpapierhandelsgesetz vorschreibt, nicht gestellt haben: Weder ermittelten sie den finanziellen Status des Kunden vollständig, noch klärten sie über die empfohlenen Produkte und deren Risiken auf. Außerdem versäumten es die meisten, dem Kunden zu erklären, dass man im Herbst 2009 für eine sichere Geldanlage die gewünschten vier Prozent Rendite pro Jahr nicht erzielen konnte.

Bei vielen Banken wurden den Kunden stattdessen Zertifikate, Aktienfonds, offene Immobilienfonds oder auch ein Goldkonto empfohlen. All diese Angebote sind entweder zu kompliziert oder zu riskant. Andere Banken empfahlen private Rentenversicherungen oder Bausparverträge, die nicht unsicher sind, aber für die gewünschte Anlagedauer fast keine Rendite für den Kunden bringen. Dafür ist die Provision für die Geldinstitute bei diesen Produkten erheblich.

Der ausführliche Banken-Test findet sich in der Januar-Ausgabe von Finanztest und unter www.test.de/bankberatung. Dort gibt es auch eine Auflistung der getesteten Banken und ihrer Bewertungen.

Das Fazit fällt für die deutschen Banken insgesamt ernüchternd aus: In der Finanzkrise haben sie bei Verbrauchern deutlich an Vertrauen eingebüßt. Doch statt verlorenes Vertrauen mit guter Kundenberatung zurückzugewinnen, verkaufen offenbar viele Banken und ihre Berater weiterhin lieber komplizierte und vor allem provisionsträchtige Produkte.

„Noch immer wird versucht, gutgläubigen Kunden riskante Finanzprodukte anzudrehen. Viele Kunden fühlen sich nicht beraten, sondern verkauft“, beklagt dann auch Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). Mit staatlichen Maßnahmen will sie die Banken nun zu besserer Kundenberatung zwingen. „Die jüngsten Fälle eklatanter Falschberatung zeigen: Ohne gesetzliche Regelungen und ohne stärkere Kontrolle geht es nicht“, sagte Aigner dem „Hamburger Abendblatt“. Bislang hatte sie Gesetzesinitiativen abgelehnt und auf den Transparenzwillen der Banken gesetzt.

Quelle: Stiftung Warentest/Finanztest
(ENDE) verbraucher-impuls.de/16.12.2009

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