Gehaltsreport: Beschäftigte verdienen weniger als vor 20 Jahren

Von | 8. Januar 2010

In rund jedem zweiten der 100 gängigsten Berufe verdienen Deutschlands Arbeitnehmer heute weniger als noch 1990. Das geht aus einer aktuellen Einkommensstudie hervor, die das Magazin «Stern» zusammen mit dem Hamburger Institut Statista erstellt hat. Einkommenssteigerungen gab es danach unter anderem bei Grafikern, Landwirten und Bankkaufleuten. Zu den Verlierern zählen hingegen Bäcker, Sportlehrer oder auch Ärzte.


Für den Gehaltsreport wurde der Bruttoverdienst von vollbeschäftigten Arbeitern und Angestellten, Beamten und Selbstständigen aus dem Jahr 1990 mit dem Einkommen von 2008 verglichen. Dabei berücksichtigten die Statista-Experten auch die jährlichen Inflationsraten. Insgesamt summierte sich die Geldentwertung über den Gesamtzeitraum auf 47 Prozent – womit sie auch wesentlich dafür verantwortlich war, dass trotz nominaler Gehaltssteigerungen die Beschäftigten in vielen Berufen heute unterm Strich weniger im Portmonee haben als vor zwanzig Jahren.

Gewinner und Verlierer

Zu den Einkommensgewinnern zählen laut «Stern» vor allem Grafiker, Designer, Marketing-Experten und Makler. Aber auch Landwirte, Köche, Friseure, Kfz-Mechaniker und Postboten konnten inflationsbereinigte Einkommenszuwächse von rund einem Fünftel bis einem Drittel verbuchen. Real weniger im Portmonee haben hingegen unter anderem Bäcker, Wachleute, Künstler, Psychologen, Zahntechniker und auch die Ärzte. Gerade letztere hat es besonders auffällig getroffen. Zwar finden sie sich mit einem monatlichen Durchschnittseinkommen von 6.400 Euro für 2008 immer noch weit oben auf der Gehalts-Rangliste. Ihre Kaufkraft ist jedoch – bedingt durch die Gesundheitsreform und geringere Einstiegsgehälter, wie der «Stern» schreibt – in den zurückliegenden 18 Jahren um die Hälfte gesunken (siehe nachstehende Tabelle).

Urlaubs- und Weihnachtsgeld werden seltener

Neben den Einkommensgewinner- und -verliererberufen offenbart der «Stern»-Gehaltsreport unter anderem auch deutliche Unterschiede im Generationenvergleich: So bekommen Beschäftigte über 50 Jahre mit einem Durchschnittsverdienst von 3.310 Euro brutto im Monat nicht nur 500 Euro mehr als jüngere Arbeitnehmer. Sie konnten ihr Realeinkommen auch signifikant stärker steigern und damit die Kaufkraftverluste der vergangenen Jahre deutlich besser ausgleichen als ihre jüngeren Kollegen.

Darüber hinaus haben die Lohn-Statistiker einen rückläufigen Trend bei betrieblichen Sonderzahlungen ausgemacht. Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder ein 13. Monatsgehalt erhielten immer weniger Beschäftigte. Dagegen setzten die Unternehmen zunehmend auf Gewinnbeteiligungsmodelle. In wirtschaftlich guten Zeiten kann das für die Arbeitnehmer mehr Geld bedeuten – während solche Prämien in Krisenzeiten eher mager aus- oder sogar komplett wegfallen können.

Gehaltsentwicklung in ausgewählten Berufen von 1990 bis 2008 (inflationsbereinigt)

Berufe mit dem größtem Gehaltszuwachs Berufe mit dem größtem Gehaltsverlust
Grafiker&Designer +85,0 % Ärzte -50,0%
Marketing- und Absatzexperten +63,3% Sportlehrer -38,9%
Makler +61,9% Werbekaufleute -38,4%
Landwirte +36,7% Förster -37,7%
Architekten +35,8% Informatiker -34,2%
Gastronomieinhaber +33,4% Zahntechniker -31,7%
Reiseverkehrskaufleute +31,6% Künstler -27,8%
Köche +29,2% Psychologen -27,5%
Controller und Organisatoren +29,2% Wissenschaftler und Forscher -21,2%
Bankkaufleute +29,0% Lehrer (Grund-, Haupt-, Real-
und Sonderschule)
-20,8%
Handelsvertreter +23,9% Berufskraftfahrer -20,7%
Friseure +23,1% Physiotherapeuten -19,9%
Postboten und Postbeamte +21,7% Restaurantfachleute und Kellner -19,7%
Medizinisch-technische Assistenten +20,0% Bäcker -19,7%
Kfz-Mechaniker +19,8% Wachberufe -19,2%


Quelle: Gehaltsreport 2010 «Stern»/ Statista
Bild: aboutpixel.de (c) Ronald Leine
(ENDE) verbraucher-impuls.de/08.01.2010

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