IKEA: So kommen die Produkte zu ihren Namen

Von | 23. Oktober 2009

Sicher wussten Sie bereits, dass die Produkte von IKEA skandinavische Namen tragen. Und dass diese Bezeichnungen in allen Ländern, in denen es das schwedische Einrichtungshaus gibt, dieselben sind. Doch wie kommen die Produkte zu ihren exotischen und im Deutschen manchmal schwierig auszusprechenden Namen?

Bücherregal Billy

Bücherregal Billy

IKEA verwendet schon seit seinen Anfangszeiten Namen statt Artikelnummern für seine Produkte. Seit den 70er-Jahren werden die meisten dieser Namen nach einem System vergeben. Dabei stammen die meisten Bezeichnungen– wie könnte es bei einem schwedischen Einrichtungshaus anders sein – aus dem skandinavischen Sprachraum.

So tragen Sofas, Sessel oder Couchtische meistens schwedische Ortsnamen (wie z.B. „Klippan“, „Göteborg“ oder „Lund“). Badezimmerartikel sind nach Flüssen und Seen benannt („Vättern“ oder „Racken“), für Leuchten werden schwedische Bezeichnungen aus der Musik, Chemie oder Meteorologie verwendet („Mylonit“ oder „Fado“). Stoffe und Gardinen haben weibliche Namen, Stühle und Schreibtische Männernamen. Eine Besonderheit gibt es bei Küchenartikeln, wo der Name oft die Funktion des Gerätes beschreibt. So heißt zum Beispiel ein Schneidebrett „Lämplig“, was im Schwedischen „zweckmäßig“ bedeutet. Die Aufbewahrung „Burken“ bedeutet ganz einfach „Dose“.


Vollzeitjob Namensfindung

Namenserfinder sind zwei Mitarbeiterinnen bei IKEA in Schweden. Sie entdecken oft beim Autofahren einen Orts- oder Flussnamen, den sie als Produktbezeichnung verwenden können. Hilfsmittel bei der Namensfindung sind aber auch Landkarten, Kalender, Wörterbücher, Synonymlexika und Nachschlagewerke. Sogar in Geburtsanzeigen sind die beiden schon fündig geworden. Die Namensvorschläge werden dann von Juristen geprüft, um sicherzugehen, dass kein geschütztes Warenzeichen verletzt wird.

Die Bezeichnung von Produkten mit Namen anstelle von Artikelnummern hat Vorteile für Mitarbeiter und Kunden: Die Angestellten müssen keine langen Zahlenreihen in die Computersysteme eingeben, wenn sie einen Artikel suchen. Und auch die Kunden brauchen sich nur einen Namen zu merken, wenn sie Rückfragen haben oder ein Produkt in der SB-Halle abholen. Einige Produktnamen sind – so auch in Deutschland – mittlerweile in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. So hört man bei Umzügen öfters „Die Billys sind noch nicht verpackt“ anstatt: „Pack mal die Bücherregale zusammen“.

Nachbarschaftsärger mit Produktnamen: Herumgetrampelt auf Dänemark

Die lustig klingenden skandinavischen Namen ringen so manchem Kunden des Einrichtungshauses ein Schmunzeln ab. Manchmal sorgen Produktbezeichnungen aber auch für reichlich Unmut – so wie im vergangenen Jahr in Dänemark: Dänische Ortsnamen als Bezeichnung für Teppiche und Fußabtreter? Das sei „schwedischer Imperialismus“, zürnte die dänische Volksseele. „Türmatten und Läufer sind drittklassig, wenn nicht siebentklassig bei einer Wohnungseinrichtung“, beschrieb Klaus Kjöller von der Universität Kopenhagen den Grund für die dänische Entrüstung. Tiefer als ein Bodenbelag gehe ja eigentlich gar nicht. (IKEA brüskiert Nachbarn: Herumgetrampelt auf Dänemark)

Das Produktnamen-System bei IKEA

– Schwedische Ortsnamen: Polstermöbel, Couchtische, Rattanmöbel, Bücherregale, Musikmöbel, Türknöpfe

– Norwegische Ortsnamen: Betten, Kleiderschränke, Dielenmöbel

– Finnische Ortsnamen: Esstische und -stühle

– Dänische Ortsnamen: Teppiche

– Berufe: Bücherregalserien

– Skandinavische Seen, Flüsse und Meeresbuchten: Badezimmerartikel

– Grammatische Begriffe, gelegentlich auch andere Namen: Küchen

– Männernamen: Stühle, Schreibtische

– Frauennamen: Stoffe, Gardinen

– Schwedische Inseln: Gartenmöbel

– Blumen, Pflanzen, Edelsteine: Bettwäsche, Decken, Kissen

– Umgangssprachliche Ausdrücke, auch schwedische Ortsnamen: Schachteln, Wanddekoration, Bilder und Rahmen, Uhren

– Säugetiere, Vögel, Adjektive: Kinderartikel

– Mathematische und geometrische Begriffe: Gardinenzubehör

– Funktionsbeschreibungen: Küchenutensilien (Besteck, Geschirr, Textilien, Glas, Porzellan, Tischdecken, Kerzen, Servietten, Dekorationsartikel, Vasen u.a.)


Quelle/Bild: IKEA Deutschland
(ENDE) verbraucher-impuls.de/23.10.2009

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