„Monitor“: Kundendaten-Missbrauch bei der Deutschen Bank

Von | 6. November 2009

Nach dem Kontodatenskandal der Postbank gerät jetzt auch die Deutsche Bank in die Kritik. Nach Recherchen des ARD-Magazins „Monitor“ haben selbständige Finanzberater, die für die Deutsche Bank tätig sind, weitreichenden Zugang zu Kontendaten von Kunden. Das betreffe auch Kunden, mit denen die Berater geschäftlich nicht in Kontakt stehen.


Der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert hält diese Praxis für „rechtswidrig“. „Als ich davon gehört habe, habe ich es erstmal nicht glauben wollen, dass eine deutsche Bank derart schludrig mit den Kundinnen- und Kundendaten umgeht“ sagte Weichert gegenüber Monitor. Die entsprechenden „Einwilligungserklärungen für die Datenübermittlung“ der Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG verstoßen seiner Meinung nach gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen, da sie „viel zu unbestimmt“ und der Kreis der Zugriffsberechtigten viel zu groß gehalten sind.

Weitreichender Einblick in die Privatsphäre

„Die Einwilligungserklärung, die hier von der Bank verwendet worden ist, ist meines Erachtens eindeutig rechtswidrig, weil hier völlig unübersichtlich mitgeteilt wird, dass eine Vielzahl von beteiligten Konzernunternehmen, aber auch die Handelsvertreter, die Daten bekommen können. Und zwar alle Daten, die irgendetwas mit dieser Bank zu tun haben“, erklärte Weichert gegenüber Monitor. Nach Angaben des Magazins erhalten dabei nicht nur externe Finanzberater, sondern auch „künftige Partner“ weitreichenden Zugriff auf Konteninformationen. Das betreffe Kontoumsätze, Zahlungsvereinbarungen, Online-Banking-Daten, Versicherungen, Bonitäts- und Vermögensdaten und „vergleichbare Daten“.

Wie weit die Einsicht in die Privatsphäre reicht, beschrieb ein ehemaliger Finanzberater der Deutschen Bank gegenüber Monitor wie folgt: „Ich kann ersehen, wo er [der Bankkunde] einkauft, also ob es Aldi, Lidl, Rewe, was auch immer ist. Voraussetzung: Er zahlt mit Karte. Ganz egal, wo er sonst mit Karte zahlt, ich sehe es. Wenn er Geld abhebt, sehe ich wann und wo und welche Beträge er abhebt. Beispielsweise ist für uns auch ersichtlich, wenn er in Spielotheken Geld abhebt. Das kann man dann über die Nummer des Geldautomatens erfragen, da gibt es ein Zentralregister.“

Bei der Deutschen Bank sieht man bei der Datenübermittlung offenbar kein Problem. Laut Monitor erklärte das Institut gegenüber dem Magazin, dass die Einwilligungserklärung mit dem hessischen Datenschutz-Beauftragten abgestimmt sei.

Der ganze Beitrag aus der Monitor-Sendung vom 5. November 2009 gibt’s beim WDR: Bankgeheimnis aufgehoben? Wie die Deutsche Bank mit Kundendaten umgeht.

Quelle: Monitor (WDR)
(ENDE) verbraucher-impuls.de/06.11.2009

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