Pflegereport 2009: Jeder Zweite wird pflegebedürftig

Von | 19. November 2009

Die Deutschen leben nicht nur länger, sie altern auch gesünder. Dennoch bleibt die Pflegewahrscheinlichkeit im Lebenslauf weiterhin hoch: Jeder Zweite wird laut GEK-Pflegereport 2009 pflegebedürftig. 42 Prozent der männlichen und 60 Prozent der weiblichen GEK Versicherten, die 2008 verstarben, haben Pflegeleistungen bezogen.


Für einen 60-jährigen Mann heißt das konkret: Von durchschnittlich 20,7 Jahren verbleibender Lebenserwartung verbringt er 1,24 Jahre bzw. sechs Prozent in Pflegebedürftigkeit. Bei 60-jährigen Frauen liegt die restliche Lebenszeit bei durchschnittlich 24,6 Jahren, wovon 2,58 Jahre in Pflegebedürftigkeit zugebracht werden. Für die rund 50 Prozent, die tatsächlich pflegebedürftig werden, ist die Zeit in Pflegebedürftigkeit damit viel höher: Für Männer liegt sie bei 2,48 Jahren, für Frauen bei 3,67 Jahren.

Große regionale Unterschiede

Der GEK-Pflegereport 2009 stellt auch regionale Vergleiche an. Angesichts bundesweit einheitlicher Pflegeversicherungsleistungen sind die Unterschiede beachtlich: Bei den Heimentgelten gibt es ein starkes Ost-West-Gefälle. Auch die ambulanten Entgelte variieren erheblich: In einigen Bundesländern wird für dieselbe Leistung ein Vielfaches bzw. das Doppelte gezahlt wie in anderen. So liegt etwa die Preisspanne für das „Zubereiten einer warmen Mahlzeit“ zwischen 7,39 (Nordrhein-Westfalen) und 20,90 Euro (Baden-Württemberg). Die „große Morgentoilette“ kostet minimal 15,75 (Thüringen), maximal 32,16 Euro (Hessen). Sehr ausgeprägt ist auch die ambulante Preisspanne bei Sondennahrung: Sie reicht von 2,98 bis 14,57 Euro.

Nicht nur bei den ambulanten Pflegeentgelten zeigt sich ein Ost-Westgefälle, auch die Pflegeheim-Kapazitäten sind im Norden und Süden viel größer als im Osten. Unterschiedliche Auslastungsgrade lassen in Rheinland-Pfalz Überversorgung, in Thüringen und Sachsen eher Unterversorgung vermuten.

Überforderung von Hausärzten auf dem Land?

Auffällig ist auch das Stadt-Land-Gefälle der fachärztlichen Versorgung. „Im ländlichen Raum sind die Verordnungsraten von Psycholeptika und Antidepressiva signifikant höher als in fachärztlich gut ausgestatteten städtischen Räumen“, erklärt Professor Heinz Rothgang vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen (ZeS). Das sei ein Indiz für die Überforderung von Hausärzten bzw. eine fachärztliche Unterversorgung in ländlichen Gebieten.

Dass die fachärztliche Versorgung in Pflegeheimen verbessert werden muss, hatte bereits der Vorgängerreport hervorgehoben. GEK-Vorstand Dr. Rolf-Ulrich Schlenker erklärte dazu: „Wir haben reagiert und einen eigenen Pflegeheimvertrag mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns geschlossen.“ Das Vorhaben fördere die Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten in Pflegeheimen und sei eine Alternative zu festen Heimärzten.

Quelle: GEK Gmünder Ersatzkasse
(ENDE) verbraucher-impuls.de/19.11.2009

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