Steuertipps zum Jahreswechsel

Von | 19. November 2009

Bald ist es schon wieder vorbei, das Jahr 2009 – schon locken die ersten Weihnachtsmärkte mit Glühwein und Lebkuchen. Spätestens jetzt sollten Steuerzahler prüfen, ob sie für das zurückliegende Jahr auch alle Vergünstigungen ausgenutzt haben. Mit der richtigen Planung lässt sich auch noch kurz vor Jahresende das zu versteuernde Einkommen drücken. Zudem gilt es, die richtigen Weichen für das kommende Jahr zu stellen.


Freibeträge eintragen lassen

Bevor Arbeitnehmer die Lohnsteuerkarte an ihren Arbeitgeber weiterreichen, sollten sie den möglichen Eintrag von Freibeträgen prüfen. Das gilt insbesondere dann, wenn die Summe der Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen um mindestens 600 Euro über den allgemeinen Pauschbeträgen von zusammen ca. 1.000 Euro liegt. Unabhängig davon können zudem die Kosten für eine Putzfrau oder Haushaltshilfe eingetragen werden.

Die Freibeträge sorgen für eine geringere monatliche Lohnsteuerbelastung. Arbeitnehmer haben somit also mehr Netto auf dem Gehaltskonto. Wer darauf aus Bequemlichkeit verzichtet, muss sich die im Jahresverlauf zuviel gezahlten Steuern erst mit der Steuererklärung wieder vom Fiskus zurückholen. (Aber wem das jetzt zu stressig ist: die Eintragung von Freibeträgen für das folgende Jahr ist auch noch bis Ende November 2010 möglich.)

Wechsel der Steuerklasse prüfen

Ein wichtiges Kriterium auf der Lohnsteuerkarte ist auch die gewählte Steuerklasse. Wer noch in diesem Jahr seine Steuerklasse wechseln möchte, muss das bis zum 30. November beim zuständigen Finanzamt beantragt haben. Der Schritt empfiehlt sich unter anderem bei gemeinsam veranlagten Ehepartnern, wenn einer von ihnen im kommenden Jahr arbeitslos wird, in Altersteilzeit geht oder Elternzeit nimmt. Durch die Wahl einer günstigeren Steuerklasse steigt der Nettolohn – und danach berechnet sich beispielsweise die Höhe des künftigen Arbeitslosen- oder Elterngeldes.

Als Faustregel bei der Bestimmung der Steuerklassen rät der Bund der Steuerzahler: Paare mit ungefähr gleichem Einkommen wählen die Steuerklassen IV/IV. Ehepaare, bei denen ein Partner mindestens 60 Prozent mehr als der andere verdient, fahren mit der Kombination III/V besser. Wer mehr verdient, bekommt dabei die günstigere Steuerklasse III.

Handwerkerkosten

Rechtzeitig zum Jahresende sollten Steuerzahler zudem prüfen, ob sie durch vorgezogene Ausgaben ihre Steuerlast für 2009 noch senken können – oder ob es besser ist, Rechnungen ins nächste Jahr zu verschieben. So kann es sich lohnen, notwendige Reparaturen an Wohnung oder Haus jetzt noch durchführen zu lassen und bis Ende Dezember zu bezahlen. Denn: maximal 6.000 Euro kann jeder Steuerzahler im Jahr für Handwerkerkosten geltend machen. Davon können 20 Prozent, also bis zu 1.200 Euro, direkt von der Einkommenssteuer abgezogen werden.

Aber aufgepasst: Berücksichtigt werden hierbei nur die Arbeits- und nicht die Materialkosten des Handwerkers. Zudem muss eine Rechnung vorliegen und die Bezahlung über das Konto gelaufen sein (keine Barzahlung). Ist der Abzugsbetrag für dieses Jahr bereits ausgeschöpft, kann man versuchen, die Bezahlung einer Handwerkerrechnung in das nächste Jahr zu verschieben.

Einmalige Aufwendungen

Kurz vor Toresschluss lassen sich auch mit einmaligen Kosten noch Steuern sparen: Ob der Kauf von teueren Fachbüchern, die Anmeldung und Zahlung einer Weiterbildungsmaßnahme oder die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer – wer ohnehin geplante Anschaffungen noch dieses Jahr realisiert, kann so die Steuerlast mindern. Das lohnt sich etwa, wenn Steuerzahler 2009 ein hohes Maß an bezahlten Überstunden geleistet haben oder 2010 mit Lohnkürzungen oder Arbeitslosigkeit rechnen müssen.

Spenden und Mitgliedsbeiträge

Ebenfalls gut geeignet, um das zu versteuernde Einkommen noch auf die Schnelle zu drücken, sind Spenden und Mitgliedsbeiträge. Bei Spenden erkennt der Fiskus jedoch nur Zuwendungen für gemeinnützige Zwecke an, etwa zur Förderung von Kirche, Kultur, Naturschutz, Erziehung, Entwicklungshilfe, Verbraucherschutz und Wissenschaft. Mitgliedsbeiträge und Spenden an Parteien sind ebenfalls als Sonderausgaben abzugsfähig, Beiträge an Sport- oder Kleingartenvereine im Regelfall jedoch nicht.

Kindergeld und Kinderfreibetrag

Verdienen volljährige Kinder während der Berufsausbildung über 7.680 Euro pro Jahr (ab 2010: 8.004 Euro), haben Eltern keinen Anspruch mehr auf das Kindergeld und alle daran gekoppelten Vergünstigungen. Aufmerksame Steuerzahler behalten daher auch das Einkommen des Sprösslings im Auge. Liegt es nach Abzug der Werbungskosten (Fahrtkosten, Fachliteratur, Arbeitsmittel, etc.) und der Sozialversicherungsbeiträge noch über der Kindergeld-Grenze, lässt es sich mit kurzfristigen Ausgaben eventuell noch darunter drücken.

Verfall des Resturlaubs am Jahresende

Das Jahresende ist schon in Sicht und so mancher verfügt noch über Resturlaub. Können die freien Tage dieses Jahr nicht mehr genommen werden, verfallen sie prinzipiell mit dem 31. Dezember – sofern es in einem Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung nicht ausdrücklich anderes geregelt ist.

Allerdings: Lassen etwa Krankheit, ein Übermaß an Arbeit oder Urlaubssperre keine andere Wahl, wird der Urlaub automatisch auf die ersten drei Kalendermonate des Folgejahres übertragen. Um Streitigkeiten vorzubeugen, raten Verbraucherschützer jedoch dazu, die Übertragung des Urlaubs schriftlich mit dem Arbeitgeber zu vereinbaren.

Zuschüsse zur Riester-Rente sichern

Immer mehr Deutsche entscheiden sich für eine zusätzliche Altersvorsorge mit der Riester-Rente. Dabei werden während des aktiven Arbeitslebens Beiträge in eine private Rentenversicherung, einen Bank- oder Fondssparplan eingezahlt. Als Lohn für die eigene Vorsorge gibt es staatliche Zuschüsse von maximal 154 Euro pro Jahr. Zudem gibt es je Kindergeld-berechtigtes Kind jährlich weitere 185 Euro (für ab 2008 geborene Kinder sogar 300 Euro). Das macht die Riesterrente besonders für Familien mit Kindern interessant.

Gut zu wissen: Wer noch 2009 einen Riester-Vertrag abschließt, bekommt noch die staatliche Förderung für das gesamte Jahr. Um in den Genuss der vollen Förderung zu kommen, müssen Riester-Sparer aber mindestens vier Prozent ihres vorherigen Jahresbruttogehalts einzahlen. Wer noch kein Einkommen hatte, muss eine Mindestsumme von 60 Euro im Jahr sparen.

Und noch ein weiterer Hinweis: Riester-Sparer, die ihre Förderung für 2007 noch nicht beantragt haben, haben dafür nur noch bis zum 31. Dezember 2009 Zeit.

Rürup-Rente: Steuerabzug durch Einmalzahlung

Für Selbstständige mit hoher Steuerbelastung könnte es sich lohnen, rechtzeitig vor Jahresende noch einen Vertrag für eine Rürup-Rente abzuschließen und darauf eine Einmalzahlung zu leisten. Denn für ihre Altersvorsorge werden vom Fiskus allgemein bis zu 20.000 Euro pro Jahr anerkannt. Davon sind für 2009 bis zu 13.600 Euro steuerlich abzugsfähig.

Wechsel der Kfz-Versicherung prüfen

Wem seine bisherige Autoversicherung zu teuer ist, der sollte sich jetzt noch über preiswertere Policen informieren. Hintergrund ist die gesetzliche Kündigungsfrist für Kfz-Versicherungen von einem Monat zum Jahresende. Spätestens bis zum 30. November muss daher das Kündigungsschreiben beim alten Versicherer eingegangen sein, am besten per Einschreiben mit Rückschein. Eine Mail oder eine bei der örtlichen Versicherungsagentur ausgesprochene Kündigung ist unwirksam. Spätestens zum 1. Januar 2010 muss dann ein neuer Vertrag bestehen.

Allerdings: Bei Beitragserhöhungen steht den Versicherten aber auch nach dem 30. November ein Sonderkündigungsrecht zu. In diesem Falle hat der Gesetzgeber festgelegt, dass eine Kündigung innerhalb von vier Wochen nach Erhalt der Benachrichtigung rechtswirksam ist. Das Sonderkündigungsrecht kann übrigens auch nach einem Schadensfall oder bei einem Fahrzeugwechsel ausgeübt werden.

Mehr zum Wechsel der Kfz-Versicherung gibt es beim VersicherungsPuls:
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Krankheitskosten bündeln

Krankheitskosten, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden, können als Außergewöhnliche Belastungen angesetzt werden. Dazu zählen etwa der Eigenanteil für Brille und Zahnersatz oder die Medikamentenzuzahlungen. Der Fiskus akzeptiert aber auch Aufwendungen für Heilkuren, sofern im Vorfeld ein ärztlicher Attest oder eine Bescheinigung der Versicherung vorliegt. Doch dabei gilt: Die Krankheitskosten müssen einen zumutbaren Eigenanteil übersteigen. Dessen jeweilige Höhe richtet sich nach Einkommen, Familienstand und Kinderzahl. Da kann es lohnend sein, die Rechnungen für Krankheitskosten noch im laufenden oder erst im nächsten Jahr zu bündeln.

(ENDE) verbraucher-impuls.de/19.11.2009

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