Ärger mit dem Handwerker: Was Kunden im Streitfall wissen sollten

Von | 28. März 2010

Ob neue Fliesen im Bad, ein verstopfter Abfluss oder der frische Anstrich fürs Wohnzimmer: Wer einen Handwerker beauftragt, will sich viel Mühe ersparen. Doch geschieht ein Missgeschick oder entpuppt sich der Fachmann gar als schwarzes Schaf, ist der Ärger groß. In solchen Fällen ist es gut zu wissen, welche Rechte Auftraggeber haben – vom Kostenvoranschlag bis zur Abnahme…


Streitfall 1: Kostenvoranschlag

Ein Kostenvoranschlag ist eine Geschäftsgrundlage, bei der allerdings der Dienstleister die vorgeschlagenen Preise nicht garantieren muss. „Merkt der Unternehmer aber, dass er das Angebot wesentlich – das heißt um circa 15 bis 20 Prozent – überschreitet, muss er das dem Auftraggeber anzeigen“, erklärt Hansjörg Richter, Partneranwalt der ROLAND Rechtsschutz-Versicherungs-AG von der Kanzleigemeinschaft Richter, Opitz und Kolla in Braunschweig. Der Auftraggeber kann dann unverzüglich vom Vertrag zurücktreten, muss aber für die bis dahin erbrachte Leistung aufkommen.

Teilt der Handwerker die höheren Kosten nicht rechtzeitig mit, kann der Kunde unter Umständen Schadenersatz verlangen. Das greift insbesondere dann, wenn der Kunde aufgrund des zu niedrigen Voranschlags ein anderes Angebot ausgeschlagen hat, das am Ende doch günstiger gewesen wäre. Da die Beweislast hierfür beim Kunden liegt, sollte dieser alle eingeholten Voranschläge aufbewahren.

Streitfall 2: Verpasster Termin

Kaum ein Handwerker scheint sich gerne auf einen konkreten Termin festlegen zu wollen. „Wir kommen zwischen 8.00 und 16.00 Uhr“ – solche vagen Terminabsprachen scheinen eher die Regel zu sein. Aus Sicht der Handwerker ist das aber nur konsequent. Denn: Ist ein fester Zeitpunkt – ob für Beginn oder Beendigung der Arbeit – vereinbart, ist dieser verbindlich.

Hält der Handwerker einen zugesagten Termin nicht ein, kann der Auftraggeber ebenfalls Schadenersatzansprüche geltend machen, zum Beispiel für einen extra genommenen halben Urlaubstag. Umgekehrt gilt allerdings auch, dass der Kunde zum vereinbarten Zeitpunkt ebenfalls da sein muss. Sonst kann auch der Handwerker einen Ersatz seiner Aufwendungen einfordern.

Streitfall 3: Anfahrtskosten

Ein häufiges Ärgernis für den Kunden stellen vielfach unverhältnismäßig hoch erscheinende Anfahrtskosten auf Handwerker-Rechnungen dar. Das betrifft auch Firmen, die man eigentlich „um die Ecke“ ansässig wähnte. Wirklich verpflichtende gesetzliche Regelungen über die Berechnung des Anfahrtsweges gibt es allerdings nicht. Verbraucher sollten sich hier also schon bei der Auswahl eines Handwerkers (Preisvergleich) verbindliche Angaben zu den Anfahrtskosten geben lassen.

Ansonsten sollten Kunden stets darauf achten, ob Anfahrtsgebühren bereits als pauschaler Betrag auf der Rechnung aufgeführt sind, wie Anwalt Richter ergänzt. Sei dies der Fall, bräuchten Auftraggeber zusätzlich berechnete Ab- und Anfahrtszeiten nicht zu akzeptieren. Fahrtkostenpauschalen sind außerdem nur hinzunehmen, wenn sie in vernünftigen Abständen nach Entfernung gestaffelt sind.

Zu den Anfahrtskosten zählt im Übrigen auch die Anfahrtszeit des Handwerkers. Allerdings darf er hierfür nicht den gleichen Stundensatz wie für seine Arbeit verlangen. Als allgemeine Faustregel hat sich hier ein zehnprozentiger Abschlag auf den eigentlichen Stundensatz durchgesetzt.

Streitfall 4: Arbeitszeiten

Ist der Auftrag einmal erteilt, versuchen unseriöse Anbieter, den Preis durch kleine Tricks hochzutreiben. So erscheinen schon mal zwei Handwerker für einen Einmannjob oder 20 Minuten Einsatz werden als volle Stunde berechnet. Bei umfangreichen Leistungen sollten Auftraggeber daher versuchen, mit dem Handwerker einen Festpreis zu vereinbaren. Dann ist es egal, wie viele Gesellen für den Auftrag hinterher tatsächlich anrücken.

Ist kein Festpreis möglich, sollten Verbraucher den Handwerker deutlich darauf hinweisen, dass bei einfachen Arbeiten lediglich die Kosten für einen Monteur getragen werden. Neben der Anfahrtszeit darf auch nur die tatsächliche Arbeitszeit in Rechnung gestellt werden. In der Folge müssen Kunden auch ein zu großzügiges Aufrunden der Arbeitszeit nicht hinnehmen. Angemessen ist ein Aufrunden in 10-Minuten-Schritten oder maximal auf eine volle Viertelstunde.

Streitfall 5: Pfusch vom Fachmann

Mit dem Abschluss eines Vertrags verpflichten sich Handwerker, ihr Werk ohne Mängel abzuliefern. Entspricht die Leistung nicht dem üblichen Standard, kann der Kunde innerhalb einer angemessenen Frist eine Nacherfüllung – eine Beseitigung des Mangels – verlangen. Dafür erforderliche Aufwendungen wie Transport-, Wege-, Arbeits- und Materialkosten sind vom Handwerker zu tragen.

Ist nach zwei Reparaturversuchen der Mangel nicht beseitigt, können Auftraggeber diesen selbst beheben oder durch einen anderen Anbieter beseitigen lassen. Die entstandenen Zusatzkosten können dann dem ursprünglichen Dienstleister in Rechnung gestellt werden. „Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, vom Vertrag zurückzutreten oder die Vergütung zu mindern. Erbrachte Teilleistungen sind jedoch zu bezahlen“, sagt ROLAND-Rechtsexperte Richter. Treten Mängel erst später auf, kann der Auftraggeber auch noch bis zu zwei Jahre nach Abnahme eine Nachbesserung einfordern.

Quelle: ROLAND Rechtsschutz-Versicherungs-AG
(Ende) verbraucher-impuls.de/26.03.2010

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